DIE LAVOIR [di: la’vu:ɐ]

Der Weblog für freien Diskurs

Und was wir gegessen

SommerLAVOIR #ITALIA 02

Zieh mich hoch!

Und was wir gegessen. Und wie wir gegessen. Und wo ich gekocht. Wie ich gekocht! In einer einfachen Küche mit einfachsten Küchenbehelfsmitteln, sprich null Küchenausstattung. Alles geht. Auch ohne. Jedenfalls nur mit Hilfe von K., der Mitbewohnerin des Ateliers, bildende Künstlerin aus dem Weinviertel. K. überlässt mir sehr früh freiwillig die Küchenregie, leistet mir aber unersetzliche Dienste für das Mise en place.

Geza Gold (Bildrecht) 2020

Tiramisu, jede Woche aufs Neue. Handgeschlagen. Handgerührt. Ist ja kein Mixer da. Jede Woche ein neues Tiramisu-Experiment: Welcher Mascarpone, welcher Mascarino macht das Dessert perfekt in Konsistenz und Geschmack? Alle Mascarino-Sorten ausprobieren, die wir in Colleferro finden können. Welche Eier die besten für das Tiramisu? Bio selbstverständlich. Aber welche Marke hat den schönsten Dotter? Verleiht der wunderbar üppigen und doch fluffigen Nachspeise die beste Farbgebung? Welcher Rum? Wie viel Prozent?

Beim Schlagen mit dem Handrührbesen immer abwechseln, bevor der Krampf. Mit der rechten Hand schlagen, mit der linken Hand. Dann ist K. dran bis bei ihr der Krampf. Dann wieder ich. Die Eier zuerst. Bis sie dick geschlagen sind, nicht mehr zerfließen, in der Schüssel nach oben wachsen. Danach den Schlagobers schlagen. Wieder der Krampf. Für uns beide. Woche für Woche, drei Portionen für mich. K. verzichtet jeweils auf die zweite und dritte Portion. Würde sich sofort für immer an den Hüften festsetzen, meint sie und staunt, dass mir das konstante Schlemmen nach einem Monat bloß 1,5 kg zusätzlich beschert hat.

Und wie wir geschlemmt. Contemporaneamente. Tag für Tag. Ein frauliches Mahl Mittag für Mittag. Biscotti di vino (Weinkekse) hintennach zum Café, wenn das Tiramisu gerade aus. Auf nichts verzichtet, in alle Farbtöpfe der italienischen Ingredienzienpalette gegriffen. Den Landkreis Frosinone ausgekostet bis in den letzten Winkel. DIE LAVOIR wird bis Ende August regelmäßig berichten. Und wo wir geschlemmt. Unten vor dem Haus. Den kleinen Tisch in den Kies gestellt. In Gold getaucht die Fassaden. Pinienumdacht. Rechts die Steineichenallee, vorne in der ungemähten Wiese der Kakibaum. Wie viele Früchte? Hunderte. Reif werden sie erst nach unserem Aufenthalt.

Vorerst noch Biskottenroulette. Welche nehmen? Die dickeren, dünneren, weicheren, härteren? Mein Gott, welche Biskotten auswählen im Supermarkt, wenn man die jeweiligen Produkte nicht kennt? Niemals zu weich dürfen sie werden, die Biskotten im Tiramisu. Zu dicke Sorten wiederum ziehen nicht vollständig durch, bleiben zu fest im Kern. Biskottsches Roulette.

Für das Protokoll: 1A-Eier (Freilandhühner), besten Qualitätskaffee (starkes Aroma), die perfekten Biskotten, den „guten“ Rum, und niemals verzichten auf Prozente, sprich keine Light-Produkte verwenden bei Mascarpone und Schlagobers!

Und niemals, niemals, wirklich niemals: das Tiramisu frisch aus dem Kühlschrank essen! Die Köstlichkeit ein paar Minuten bevor sie verspeist werden soll aus dem Kühlschrank nehmen, damit sie kurz von Zimmertemperatur umwölkt wird. Kühlschrankkaltes Tiramisu ist wie kalte Pizza vom Vortag: Hände weg! Ich meine das ernst.

Regina Hilber

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