DIE LAVOIR [di: la’vu:ɐ]

Der Weblog für freien Diskurs

STEYR goes around #21

VATIKANSTADT in Steyr

Schutzmantelmadonna in Stadlkirchen

Südwand oder Nordwand?

„Und welcher der Gipfel ist der Große Priel?“ frage ich die Steyrerin während der Fahrt zum Elisabethsee. „Keine Ahnung!“, lacht sie und ich muss mitlachen. Ich vertrete ja die Meinung, dass ein erklommener Gipfel für immer nicht nur namentlich im Gedächtnis verbleibt. Eine spontane Sommerlaune führt uns ins Gebiet des Steyr-Ursprungs, dort wo Oberösterreich auf der Landkarte ein rechtwinkliges Eck schlägt. Der Steyr-Ursprung musste unbedingt noch eingefädelt werden auf der oberösterreichischen Seite, sonst wäre die Stadt Steyr gleich von zwei steirischen Flüssen geprägt gewesen. Die Besteigung des Priels muss warten, gleich wird die Sonne hinter der Hügelkuppe verschwinden. Die erste Kolumne ist geschrieben, sämtliche Notizen ausgewertet, die Ausschussware wird in die Teichl gekippt. Hinter dem kleinen Damm neben dem Elisabethsee speist sie die noch kleine Steyr, bevor das Flüsschen bei Klaus groß aufgestaut wird. Bleiben oder Gehen? Spontan das Zelt aufschlagen am angrenzenden Campingplatz? Die Wolken sagen nein.

Auf dem Rückweg wird in Garsten Halt gemacht nach unzähligen Malen Hügel rauf und Hügel runter. Nur logisch, dass sich die Landschaft in der Mitte Österreichs zwischen dem hochalpinen Westen und dem flachen Osten zu einem hügeligen Kompromiss geeinigt hat. Bei Aschach teilt sich der Blick exakt entzwei: rechts die sanfte Hügellandschaft, links die weite Ebene bis Linz.

Die Enns als zweite Klammer der Stadt Steyr will fairerweise miteingebunden werden in das heutige kleine Timeout. Im Gasthaus Boigerstadl erklärt die Wirtin, warum die Enns hier in die Knie gezwungen wurde und das Kappen der ursprünglichen Flussbiegung (der Beuge) dem Gasthof seinen Namen gab. Zu den Marillenknödeln kommt die dicke Stadtchronik mit auf den Tisch geliefert.

Eine Südwand wie Ostwand beschreibt auch das kleine Heftchen über die Filialkirche Stadlkirchen. Die Fresken aus dem 14. und 15. Jahrhundert wurden erst in den 1990er Jahren freigelegt. Hier hat der Spaziergangsführer wieder seinen sonntäglichen Auftritt. Das vierhändige improvisierte Orgelspiel in der Kirche Maria Laah kurz zuvor sei uns verziehen. Von der Südwand der Stadlkirchener Kirche blickt die Weltgerichtsdarstellung milde auf uns herab.

Morgen schon kann der Sommer vorbei sein. Er ist es schon, aber davon sprechen wir offiziell erst im September. Spinnen kreuzen jeden Zentimeter, fliegen weiße Fäden durch die Luft. Sie kündigen als erste den Herbst an, kriechen vom Dach und von den Fassaden ins Gebälk. Auch in jenes der Stadtschreiberwohnung. Die lauen Abende im Glück auf vor dem Museum Arbeitswelt sind gezählt. Abgezählt sind die Worte in den flirrenden Stunden zwischen fünf und sieben. Ob sich noch bergaffine SteyrerInnen für die Besteigung des Großen oder Kleinen Priels finden? Südwand? Nordwand? Möge die Schutzmantelmadonna von der Stadlkirchener Ostwand mit uns sein.

Vielen Dank an alle SteyrerInnen, die mich durch Stadt und Land begleiten!

Regina Hilber

Folge uns auffällig.