DIE LAVOIR [di: la’vu:ɐ]

Der Weblog für freien Diskurs

Rue du Lavoir

NEU IM JAHR

Über Waschstraßen und LAVOIRs

Vorsicht vor der selektiven Wahrnehmung und ihren Tücken! Wenn das Jahr noch jung ist, entkommt man ihr, der selektiven Wahrnehmung wie selbstverständlich, bloß weil der Kalender nicht nur ein neues Blatt, sondern eine neue Dekade aufreißt. Weg mit dem alten Kalender von der Wand, ein neues Bild wird aufgehängt. Entitäten rücken dort in den Hintergrund, wo (zumindest für kurze Zeit) eine bis dato unangetastete Fülle vorliegt. Beim Jahreswechsel ist diese unangetastete Fülle mit den ersten Tagen eines neuen Jahres begrenzt und belegt. Es bleibt ein temporäres, intensives Intermezzo, einem Koitus gleich. Denn das Gesetz der Anziehung macht schnell seine gewohnten Kanäle wieder auf. Ergo bleibt es kein Zufall (den es sowieso nicht gibt, sondern nur Gesetzmäßigkeiten), dass ein simpler Begriff wie DIE LAVOIR [di: la’vu:ɐ], oder das Lavoir, wie es im Französischen lautet, sich vervielfacht in den Fokus eines Einzelnen und somit in dessen Alltag schiebt.

Beispiel LAVOIR:

Geza Gold © Bildrecht, Wien 2021

Was ist DIE LAVOIR? Wo gibt es sie und wofür? Wie oft hatte ich DIE LAVOIR im Haus herumgetragen gehabt im letzten Jahr? Wie viel Wäsche wurde in ihr gewaschen, wie viele Schuhe in ihr abgeschrubbt? Der Straße der selektiven Wahrnehmung folgend stoße ich auf den Ort Colombiers, im südlichen Frankreich gelegen, wo sich eine Rue du Lavoir befindet. Und selbstverständlich nennt sich das einzige Gasthaus in der Rue du Lavoir denn auch Au Lavoir, Zur Waschschüssel. Chapeau!

In Zeiten der regierungsbedingten Zwangsisolation stellen Fixiertheiten und deren Durchbrechungen eine besondere Herausforderung dar. Radikalität kann da Abhilfe verschaffen. 180-Grad-Drehungen. Einfach auf derselben Ebene sich befindend am Absatz kehrt machen und in die entgegengesetzte Richtung laufen. Ein Experiment, eine Option, ein Richtungsmanifest. Die Fülle der Fülle. Weil aus der entgegengesetzten Richtung ein neuer Wind bläst. Mir ist diese 180-Grad-Drehung bereits letztes Jahr gelungen, mitten im Lockdown. Oder vielleicht gerade, WEIL harte und weiche Lockdowns diese Kehrtwende begünstigt haben. Besondere Umstände evozieren besondere Entscheidungen? Für viele wird aber der Jahresbeginn als neuer Wegweiser sowie als probates Hilfsmittel  gegen selektive Wahrnehmung und gegen das Gesetz der Anziehung in den Bewusstseinshorizont gestellt. Für all jene, die immer noch mit sich hadern: Sich Verfehlungen und Versäumnisse eingestehen!

Auch wenn es vielleicht unmöglich erscheint, neue Horizonte befinden sich nicht auf der Richtungsebene auf der beharrlich (falsche) Wurzeln geschlagen werden, sondern dort, wo sich der Blickwinkel neu einrichten muss, neue Chancen birgt. Und voilà, gemäß dem Gesetz der Anziehung kann nun der Fokus auf andere und positivere Aspekte gelenkt werden. Ein Befreiungsschlag? In diesem Sinne wünscht euch DIE LAVOIR ein tatsächlich neues Jahr!

Regina Hilber

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