DIE LAVOIR [di: la’vu:ɐ]

Das Magazin für freien Diskurs

Provinzgrobiane

Das Schneeweiß in INNSBRUCK und warum sich „Mode“ in der Buchhandlung im Regal für „Hobby und Basteln“ findet. 

Der Rotz der Woche ist gleichzeitig das Highlight der Woche, denn Gut & Böse, beides bietet die Provinz als parallele Universen in gleicher Intensität. Die Buchhandlung zum Beispiel: als Flucht- und Trostort wenn der launige Mai vom WEISS, vom Schneeweiß, eingerahmt wird, die Schneefallgrenze also akurat eine Linie zieht in greifbarer Distanz zu den Gassen der Altstadt, während in Wien die Klimazone eine konstantere bleibt, offeriert der Westen stets ein „Draußen“, aber auch ein „Drinnen“, das in seiner Unterschiedlichkeit brutaler nicht sein könnte. Das eigene Stimmungsbarometer steht und fällt daher mit dem ideal gewählten Outfit.

Was das im Alltag heißt? Anziehtechnisch stellt die Alpenregion eine tägliche, nicht zu unterschätzende Herausfoderung dar, die ich seit ich in Wien lebe, nie vermisst habe. Das optimale Outfit will schon am frühen Morgen für den restlichen Tag mit seinen Temperaturschwankungen von oftmals bis zu 20° (sic!) abgestimmt werden. In der Praxis (man denke an einen berufstätigen Menschen, der mit Bus oder Bahn zur Arbeit fährt) gestaltet sich ein Augusttag etwa so: frühmorgens an der zugigen Bushaltestelle irgendwo an der Peripherie von Innsbruck wecken erfrischende 10°, daher Jäckchen über dem Sommerkleid tragen plus festes Schuhwerk. Den Ausschnitt am Kleid schützt ein feines Wolltuch, damit das leichte Frösteln nicht bis in alle Knochen durchdringen kann, während man hinaufblickt auf den Hausberg, der schon wieder frisch verschneit ist. Der Kühle zum Trotz werden keine Strümpfe getragen, jedoch Sandalen für die Zeit ab Mittag (30°) in die Handtasche gestopft. Die Handtasche muss dementsprechend groß ausfallen, weil dann ja auch das Jäckchen darin verschwinden muss samt dem festen Schuhwerk, das morgens dafür gesorgt hat, einer Blasenentzündung vorzubeugen. Und das wollene Halstuch? Lässt man abends im Büro zurück. Schließlich passt eine vollgestopfte Tasche so gar nicht zum luftigen Sommerkleid.

Zurück zur Buchhandlung.

Gesucht wird aus gegebenem Anlass (der Muttertag steht vor der Tür) ein Buch über einen anerkannten Modedesigner. In welcher Abteilung reiht sich die Mode ein, fragen wir. In der Kunstabteilung etwa? Eine eigene Kunstabteilung gibt es nicht, denn sie findet sich der Religion untergeordnet. Religion/Kunst – weist die Beschilderung aus in der hintersten Ecke der großen Buchhandlung. Dort macht sich die Religion breit mit Sachbüchern, vergoldeten Ikonen aller Größen sowie klerikalen Utensilien. Direkt im Regal angeschlossen dann ein paar Bildbände zu Cezanne und Gauguin. Die Mode findet sich schließlich ganz vorne bei der viel frequentierten Rolltreppe im Regal Hobby/Basteln. Zwischen den Unterrubriken Häkeln/Stricken/Sticken betten sich ein paar Bücher zu Chanel, Lagerfeld und Iris Apfel ein. „Wir haben nicht gewusst wohin mit der Mode“, entschuldigt sich der Buchhändler, dem unser körperliches Unwohlsein nicht entgangen ist.

Die alte Heimat weiß aber auch stets zu entschädigen:

Keine Buchhandlung österreichweit bietet ein so großes Sortiment an Fachliteratur und wunderschönen Bildbänden über das Bergsteigen, Klettern, Wandern oder Trekking. Und zwar nicht nur regional für den Alpenraum ausgerichtet, sondern gleich international. Gut & Böse? Hauptsache die Mütze ist mit dabei im Mai, wenn es vom warmen Drinnen ins frische Draußen geht.

Regina Hilber

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