DIE LAVOIR [di: la’vu:ɐ]

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POST AUS ITALIEN

Eine Leseankündigung

Der Klang der Espressotasse auf dem Marmortresen in der typischen BAR CENTRALE

© Geza Gold (Bildrecht)

Das dunkle Klappern der dickwandigen Espressotasse auf dem Marmortresen in der Bar Centrale hallt in meinem Ohr, ein Klang, der ausschließlich in Italiens Stehcafés, der sogenannten Bar, diesen unverkennbaren Ton erzeugen kann. Dazu müssen einige nicht unerhebliche Kriterien erfüllt sein: Ein robuster Marmortresen, auf dem die dickwandigen Tassen aus Porzellan oder Steingut, nicht sanft abgestellt, sondern mit Nachdruck geknallt werden; der Boden des Lokals muss mit echtem Terrazzo überzogen sein, der Grundriss der Bar langgezogen und schmal angelegt sein, und die Rückwand des Barbereichs mit den Regalen für Gläser und Tassen mit Spiegeln ausgekleidet sein. Nur dann durchdringt dieser eine Klang die italienische Bar, die eben ein Stehcafé ist und kein Nachtlokal für Cocktails oder Shortdrinks. Eine Bar Centrale findet sich in Italien in nahezu jeder Ortschaft, meist an der typischen Piazza Centrale oder der Piazza Garibaldi, manchmal auch in der Straße Corso d’Italia.

Sehr laut und dumpf hört sich das Abstellen der dicken Espressotasse auf dem Marmortresen an. Für den hellen, lichten Klang dazwischen sorgt der Espressolöffel auf der Untertasse, während der Barista schon die nächsten Untertassen lauthals auf den Marmortresen knallt, bevor auf diesen die Obertassen mit dem frisch gebrühten Espresso platziert werden für die nachkommenden Gäste. Vielleicht muss auch die Luft ein wenig flirren von der Hitze, aber da wäre schon die Grenze zur Fantastik überschritten.

Das ist für mich das Italien, das ich liebe: ein Klang, ein Ton, eine Farbschattierung. Sobald ich das laute Klappern der dicken Espressotassen auf den Marmortresen in den Bars höre, ist es um mich geschehen. Aber darf man ein Land vorbehaltlos lieben für derlei hedonistische Anreize?

In Tirol, also diesseits des Brenners aufgewachsen, hat sich für mich früh eine Affinität für das Sehnsuchtsland im Süden herausgebildet. Ich bin italophil. Laut Duden bedeutet das: Italien,  seinen Bewohnern und seiner Kultur besonders aufgeschlossen gegenüberzustehen. Aber was bedeutet das genau? Und wie begegnet man zum Beispiel faschistoider Rhetorik im heutigen Kontext?

„Was war mein erstes Italien?“ Diese Frage stellt sich auch Peter HODINA. Vor 50 Jahren war er als Sechsjähriger zum ersten Mal in Italien gewesen. Und genau zur Zeit der Mondlandung, nach der Fernsehübertragung des ersten Schrittes eines Mannes auf dem Mond, sah er am Strand von Senigallia erstmalig einen toten Menschen: ein junger, sehr großgewachsener Ertrunkener, der wiederbelebt wurde, ein paar Meter nur vom Kind entfernt. Träume, Traumata, erstes Meer, italienische Begegnungen.

Über Fragen wie diese sowie über literarische Orte und Unorte im Sehnsuchtsland jenseits des Brenners reflektieren die beiden AutorInnen bei einer LESUNG am 29. Jänner 2020 im Claudiasaal des Italien-Zentrums in Innsbruck.

Eine Veranstaltung der Grazer Autorinnen Autorenversammlung in Kooperation mit dem Italien-Zentrum.

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