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Der Weblog für freien Diskurs

Pier Paolo Pasolini

„Wenn ein Dichter keine Angst mehr einjagt, soll er besser die Welt verlassen.“  Pier Paolo Pasolini

Wir sind alle in Gefahr. Dies notiert Pier Paolo Pasolini am 01. November 1975. In derselben Nacht, zum 2. November, wird der damals weltberühmte Filmemacher, Dichter, Schriftsteller, Sprachwissenschaftler und politische Aktivist in Ostia bei Rom ermordet aufgefunden. Sein Körper, vor allem sein Gesicht, sein Schädel, sind arg zugerichtet. Die Polizei verhaftet noch am selben Tag den 17-jährigen Strichjungen Giuseppe Pelosi, der den Mord gesteht. Alle Indizien deuten jedoch auf die Beteiligung mehrerer Personen hin.

Dreißig Jahre später, nach Pelosis Haftentlassung, erklärt dieser in einer TV-Sendung, er habe Pasolini nicht umgebracht, sondern nur als Lockvogel für einen geplanten Mord gedient. Man hätte ihm und seiner gesamten Familie mit Ermordung gedroht, würde er nicht die Tat auf sich nehmen. Deswegen habe er mit seinem Geständnis bis zum Tod seiner Eltern und dem Tod der Drahtzieher zum Mord, gewartet. Die Ermittlungen zum Fall Pasolini werden also 2005 wieder aufgenommen und die Angaben Pelosis bestätigt. Bis heute bleibt der Fall ungeklärt.

Abgerissene Brücke über dem Tagliamento bei Casarsa
© Geza Gold (Bildrecht)

Pasolinis Dichtung ist untrennbar verbunden mit seinem geliebten/gehassten Friaul, mit Casarsa della Delizia und dem Fluss Tagliamento. Für mich ergibt sich daraus eine persönliche poetische Nachbetrachtung zu PPP – eine fiktive Grabrede in Casarsa. Dort, wo sich Pasolinis Grab (und das seiner Eltern) befindet, entstand mein Versuch einerseits die von Pasolini besungene Landschaft am großen Alpenfluss nachzudichten und andererseits den Autor, Aktivisten und Filmemacher dort abzubilden, wo er in den Tümpeln, dem Flussuferläufer gleich, herumsprang.

lauf um dein Leben wie
der Flussuferläufer auf
den Pionierinseln
folge den Pinien bis ans
Ende der Gegenwart
no ai viodut nuie
nichts habe ich gesehen

Regina Hilber

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