DIE LAVOIR [di: la’vu:ɐ]

Das Magazin für freien Diskurs

LAVOIR der Woche

„Manchmal das Ungesagte wie eine Aufforderung an sich selbst.“

Die erste Septemberwoche als Marker für den omnikursierenden Alltag: Mit dem Start in das neue Schuljahr ist die Sommerauszeit unwiderruflich zu Ende. Im Lokal am Judenplatz werden Geschäfte ausgehandelt beim Mittagessen, Beamtinnen zeigen ihre gebräunten Fesseln, holen an diesen sonnigen Tagen der ersten Septemberwoche ein letztes Mal die saloppe Sommergarderobe aus dem Schrank (es lebe der Teint!), während die Beamten in schlecht sitzenden slim fit-Anzügen mit zu eng geschnittenen Hosen samt zu kurzen Hosensäumen an die Verhandlungstische zurückkehren. Alltagsregularien werden wieder gepflegt, mit und ohne Hingabe.

Es gibt kein zurück.

Tatsächlich hat der Sommer bereits am 31. August das Feld geräumt, Sonne, Licht und Bestuhlung zusammengeklappt und im finsteren Kämmerlein verstaut.
Die alljährliche Verdummungsphase, die intellektuelle Reizzone, endet, die pünktlich mit Beginn der Sommerferien Anfang Juli eingesetzt und Mitte August ihren Höhepunkt erreicht hatte. Niemals lasse ich mich intellektuell so gehen wie in den Sonne- und Hitzewochen. Gleichzeitig erfährt die Eitelkeit in der warmen Jahreszeit ihren Höhepunkt: die Projektionsflächen eines Körpers müssen umsorgt werden. Vielleicht ist es mir aus Kapazitätsgründen nicht möglich, beidem das ganze Jahr über die gleiche Sorgfalt und Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, also dem Geist wie dem Körper. Bad hair days werden nun kommentarlos mit Mützen gebändigt, die nackten Füße verschwinden im knöchelhohen Schuhwerk, müssen nicht mehr jede Woche einer intensiven Pflege unterzogen werden.

Der Sommer ein nie enden wollender Lichtraum? Wir kehren dahin zurück, wo das Ungesagte hinter Buchdeckeln verschwindet.

Regina Hilber

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