DIE LAVOIR [di: la’vu:ɐ]

Das Magazin für freien Diskurs

Kurze Perioden

Küchenloop

Geza Gold (Bildrecht) 2019
°°°°
am Pult geradeaus heißen wir uns
willkommen und schwirren wieder
aus breiten Flügel mal zum Tresen
aber stetig
in den Küchen schlummern ahnungslose
Philanthropen hingeworfen ein Stück Fleisch
ein Augenmerk auf Tresenhöhe
auf der Nirostaanrichte die gedachte
Häme eines Gehilfen
sind wir nicht alle mehr oder weniger
Menschen
warum nicht dieselben Fehler machen
warum nicht dieselben Worte
an viele richten
in der virtuellen Blase wirst du ein
Toter sein und keine Todesursache wird
festgestellt werden können
von kurzen Perioden wir die Rede sein
und von Auslaufmodellen
in Begegnungen wohnt keine Menschlichkeit
im Fortbestand der Dinge verwahren wir
die Zeit und die Toleranzfelder
 
die Toleranzfelder weiten sich im Sommer
in den Küchen tummeln sich ahnungslose
Philanthropen hingeworfen ein Fleischrest
ein Augenmerk auf Höhe der Kredenz der
weißen Anrichte die selbst die Fliege meidet
sind wir nicht alle mehr oder weniger
Menschen
warum nicht dieselben Fehler machen
dieselben Entschuldigungen aushandeln
warum nicht dieselben Worte an viele richten
von kurzen Perioden wird die Rede sein
und von Auslaufmodellen aber in der
virtuellen Blase bist du ein Toter noch bevor
der Todeskampf dich überkommt
das Gedächtnis eines Küchengehilfen wird
dich überholen
wird dir begegnen auf Höhe der weißen
Anrichte die selbst die Fliege meidet
auf kalt werden Herzen geschnürt
hingeworfen ein Quäntchen Liebe für
den Gaumen für den alten Mist
 
die Untoten und die Toten werden dir
winken dich belachen und
dein Laptop strahlt und strahlt bis
der Krebs dich einholt
der rote Krebs
der Krebs aus dem du Salz
auskochst Schweiß und Salze
Sternschnuppen waren hier noch nie
zu sehen
ich sehe nur Wolkentürme und
Straßen winzig und dünn wie Kreidelinien
ich habe Baustellen gesehen und Ziegel
die von Fassaden fielen
die Baustelle die Baustelle
warum nicht dieselben Mauern mauern
die gleichen Balkone für die gleichen
Träume trimmen
 
der Zaun um den Zaun
in Jüterbog und Hütte
in rostigen Kübeln die Fliegen
auf den Toleranzfeldern
ein Bett aus Kiefernnadeln für die
Untoten und Toten
für die Lebenden
ein Korn
für den Empfang am Pult geradeaus
ein Quäntchen Wärme
warum nicht dieselben Schlüssel
in immer andere Hände legen
dieselben Worte in viele
Zimmer tragen im Verbinden
verbunden
die Krebse die Krebse sammeln
wir in einem Lavoir aus Plastik
während wir die Salze ins Meer
spülen
den Schweiß und das Salz
 
sind wir nicht alle Kiefernnadeln
leicht und gepaart
die Pole die Pole
auf der weißen Anrichte kein Blut
sind wir nicht alle
Menschen
mit Pflastern und Stullen
warum nicht dieselben Fliegen
in viele Schubladen betten
der Krebs und das Pult
auf der Nirostafläche ein Quäntchen
Himmel
der Spiegel ein Spiegel ein Himmel
warum nicht dieselben Fleischreste
vielen Toten zuordnen
Papier zu Papier
die roten Ziegel und die roten Krebse
die Herzen kahl geschoren im
virtuellen Speck
auf Augenhöhe die Philanthropen in
weißen Kartons die selbst
die Fliegen meiden
 
die Geste
das Zimmer
der Rest
neigten sich nach vorne und
staunten: in den freien Zonen
spaziert ein Vogel ohne Vorbehalt
die Gedächtnisstütze
das Lichtband
der Saum: säumten und streiften
und folgten dem Kalender
die Rast
das Trugbild
der Kranführer
fragten nach Perioden des Anhaltens
und fanden nur Stacheln
sind wir nicht alle ZORNIG
warum nicht denselben ZORN
an alle richten
das Schweigen zu den Kiefernnadeln in
die Schatulle schlichten
die Toten die Untoten in immer gleiche
Herzen wickeln
 


Regina Hilber

 

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