DIE LAVOIR [di: la’vu:ɐ]

Das Magazin für freien Diskurs

Ineinander. Thaya und March.

Die Hitze, der Fluss, die Stille.

© Geza Gold (Bildrecht) 2019

Von Bernhardsthal nach Rabensburg und Hohenau an der March. Wieder die Thaya entlang. Zu Fuß. Tschechien und Slowakei an den Rändern. Vorbei an der ältesten Eisenbahnbrücke über dem riesigen Teich in Bernhardsthal, vorbei an den drei hallstattzeitlichen Grabhügeln, die mitten aus den bebauten Feldern ragen. Abgeflachte Hügelkuppen, dicht mit Gras bewachsen. Erst in den Siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden die Grabhügel von Historikern geöffnet. Wie konnten sie die Zeit unbeschadet überdauern? Im Überschwemmungsgebiet der Thaya. Der neue Damm soll das Wasser fern halten. Ein aufgewühltes Kürbisfeld am Rande der Au.  Spuren einer großen Wildschweinhorde im lehmigen Feld. Entlang des Flusses wieder die Fischerhäuschen. Braungrün dümpelt die Thaya nun vollkommen lautlos dahin. Das Wasser ist brackig. Als trübe, träge Wasserspur schiebt sich der Fluss, der ein Flüsschen ist, durch den heißen Spätsommer. Nicht umsonst leitet sich der Name vom ostgermanischen Begriff Dühja, also Schlamm, Sumpf, ab. Alles steht. Die Hitze, der Fluss, die Stille.

Die Stille in den Thayaauen, die unerbittliche Schwüle im Unterholz, das Schweigen des Wanderers. Begegnungen sind keine vorgezeichnet. Nur solche mit seltenen Vögeln. In Rabensburg lockt Abkühlung im herrlich ruhigen Freibad, schräg unterhalb des gleichnamigen Schlosses. Imposant aber schmucklos steht es am Rand einer kleinen Erhebung. Der tropischen Hitze in den Auen entkommen. Kurzzeitig. Der Bademeister hat viel Zeit, die fünf Badegäste eingehend zu beobachten. In den Orten Rabensburg wie Bernhardsthal setzt sich die Stille der umliegenden Äcker und Auen fort. Stehengeblieben. Zeit und Bewegung. Spürbar ein Grenzgebiet. Über die Holzbrücke eines kleinen Seitenarms der Thaya, der hier einen Teich bildet. Die Karpfen scheinen in der dicken Brühe zu ersticken. Zurück zum Fluss und weiter zum Dreiländereck. Beim Hauptgrenzstein in Hohenau an der March das Zusammenfließen. Ineinander. Thaya und March.

Regina Hilber

aus Mein Weinviertel (Literaturedition Niederösterreich)

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