DIE LAVOIR [di: la’vu:ɐ]

Das Magazin für freien Diskurs

Gastbeitrag von Annett Krendlesberger

© Edition fabrik transit
Du wusstest nicht, was du ohne Hunger essen solltest. 
Du bestelltest ein Glas Weißwein. Nein, du wartetest

nicht.
Du setztest dich wieder auf die Bank.
Dir fiel ein, dass er auf einem Sessel sitzen musste,

dass er auf nichts anderem als auf einem gut
gepolsterten, bequemen Sessel sitzen konnte.
Er hatte ein krankes Knie.
Alle Sessel in diesem Restaurant waren aus Holz.
Du nahmst ein Kissen aus dem Eck und legtest es auf

die Sitzfläche. Es war warm hier.
Alle Rosenköpfe waren offen. Einer hing schon schlaff

herunter.
Du versuchtest, den Stiel etwas zu drehen, damit die

Blüte hintüber kippte.
Du würdest sagen, dieser Tisch wäre der einzig freie

Tisch gewesen, und du hättest keine Wahl gehabt.
Und der Sohn würde Champagner bestellen, zur

Begrüßung und zur Feier des 40. Hochzeitstages, und
vielleicht auch des frostgeschädigten Straußes wegen.
Und wenn sie am Eingang standen und winkten,

würdest du sie winken lassen.

Annett Krendlesberger

Soeben erschien ihr neues Buch anfangs noch in der Edition fabrik transit.

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