DIE LAVOIR [di: la’vu:ɐ]

Das Magazin für freien Diskurs

Das Traumbuch

als Buchgenre?

Peter Hodina macht es vor: neben seinen tagesaktuellen Notizen und philosophischen Randnotaten verschriftet der Salzburger Autor regelmäßig seine Träume oder Traumsequenzen und verteilt sie großzügig auf  Facebook. „Sind doch frei erfunden, deine sog. Träume!“, warf ich ihm mehrmals vor. Vor längerer Zeit schlich sich unten beschriebene Traumsequenz morgens  in meine halbwache Wahrnehmung. Damals arbeitete ich intensiv an einem Vortrag über Werk und Leben des italienischen Schriftstellers, Filmemachers und politischen Aktivisten Pier Paolo Pasolini. Der sonderbare Traum war mir eine kurze Niederschrift wert gewesen in meinem Notizbuch. Zwischen all die Einträge über Pasolinis Werk und Wirken quetschte sich das Traumnotat. Vielleicht sind Hodinas Träume doch nicht erfunden, oder nur zum Teil? Werden seine gesammelten Notizen irgendwann gar in einem eigenen Band, einem Traumbuch, zusammengefasst?

Traumnotiz:

Ich stelle einen großen Kochtopf auf die hintere Herdplatte und siede im kochenden Wasser kleine, schlanke Plastikpüppchen. Unzählige Püppchen mit verschränkten dünnen Armen und Beinen schwimmen obenauf an der Wasseroberfläche. Mit einem Siebschöpfer fische ich dann die gar gekochten Püppchen heraus. Auf der vorderen Herdplatte steht ein kleinerer Topf, in welchem Radiergummis (in winzige Schachteln gepackt) sieden. Die kleinen, dünnen Püppchen sind modisch gekleidet. Sie tragen die gesamte Winterkollektion eines Designers, dessen Mode mir nicht gefällt.

Regina Hilber

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