DIE LAVOIR [di: la’vu:ɐ]

Der Weblog für freien Diskurs

Das Kind darf alles

Und munter kreisen die Propeller der Helikopter-Eltern.

Neulich aufgeschnappt am Kinderspielplatz: „Sie hatte den ganzen Tag schon mit ihm (dem dreieinhalb jährigen Sohn) gestritten“, konstatiert der, natürlich von der Mutter seiner Kinder getrennt lebende, Vater. Die Mutter in den Vierzigern also, die zu Hause mit dem dreijährigen Knirps den ganzen Tag über „streitet“ wie mit einem Erwachsenen.

Oder der Fünfjährige, der sich mit Absicht und Genuss auf die Händchen eines Einjährigen stellt, die das kleine Kind, das noch gar nicht laufen kann, am Rand der Sandkiste zum Hochziehen abgelegt hat. Die ob der Kritik aufgebrachte Mutter des Fünfjährigen zur besorgten Mutter des weinenden Einjährigen: „Das müssen sich die Kinder selbst ausmachen!“

Ein 12 Monate altes Kind, das noch gar nicht sprechen kann, soll dem Fünfjährigen selbst erklären, dass es nicht die Händchen plattgetreten haben möchte. Himmel, möchte man schreien! Kinder werden nicht mehr als Kinder gesehen, warnen die Kinder- und Jugendpsychiater seit Jahren. Eltern verhindern damit permanent, dass Kinder ein Unrechtsbewusstsein entwickeln, sagen die Experten. Das Gegenteil wird suggeriert: Das Kind darf alles. Gleichzeitig wird das Kind zum Mittelpunkt der eigenen (hermetischen) Welt hochstilisiert. Dies geschieht freilich rein zum Selbstzweck: Die eigene Nachkommenschaft wird auf berechnende Weise zum eigenen Selbst, zum Mini-Me, ohne jedoch Skills wie z. B. Selbstverantwortung bzw. Unterscheidung von Recht oder Unrecht zu entwickeln, von gut ausgebildeten Müttern (im Allgemeinen mehr als von Vätern) heranerzogen.

Jene Kinder werden ihr Leben lang beziehungsunfähig sein. Experten schlagen Alarm, wenn eine simple Kritik „Halt, du tust dem Baby weh, wenn du ihm mit deinem ganzen Körpergewicht auf die Händchen steigst“, weggepustet wird wie die Fädchen eines verblühten Löwenzahns, und das Tun selbst frei von Konsequenzen bleibt.

Wie froh bin ich angesichts dieser Entwicklung, dass in den Haushalten der sog. Wohlstandsländer bald mehr Hunde getätschelt werden, als kleine Kinder. Mögen sich noch mehr Menschen lieber einen Hund zum Schoßhündchen heranerziehen, als weitere narzisstische Mini-Me`s in die Welt zu setzen. Die Chancen auf einen Hund in meinem Heim stehen wegen der früh entwickelten Hundephobie sehr schlecht. Lieber mache ich es wie Pippi Langstrumpf und stelle mir ein prächtiges PFERD in mein Wohnzimmer.

Regina Hilber

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