DIE LAVOIR [di: la’vu:ɐ]

Der Weblog für freien Diskurs

Das Guckloch im Februar

Über Buntheit, Gert Jonke und andere Weisheiten auf 8

Alles ist möglich? Die Karten neu gemischt? Das unliebsame F-Wort im Februar macht auf die Buntheit aufmerksam: FASCHING! Bald ist der Spuk wieder vorbei, die omnipräsente, grelle, avanciert aufgetragene Farbpalette wird mit dem Aschermittwoch in Kartons gepackt und in die Dachböden verbannt. Eine Erlösung nicht nur für das Auge. Schnell noch einen F-Krapfen holen aus der Bäckerei, die noch (wie selten!) über eine eigene Backstube verfügt und keine Fertigmischungen verwendet.

8sam: Selten fließen Schreibdrang und Gedankenfluss zuverlässiger und üppiger als in der Lokalbahn sitzend, auf dem Weg von A nach B.

Der Schlafbaum unter uns | regungslose Laternen | wie wir uns drehen | 8 Mal | die linke Seite langgezogen | mit dem Fortschreiten der Dämmerung | näher die braune Wiese | ein zweiter Schlafbaum | sagt Gert Jonke | 8 Mal | mit jeder Runde dichter das Lichterkarussell | rote Signalschrift.

Gert Jonke († 2009) war an einem 8. Februar geboren. Wir drehten 8 Runden im Cafe des Donauturms, blickten auf die Schlafbäume der Krähen hinunter. Lange ist das her.

Achtelwahrheiten und Wahrheitsachterl: Nach einem Zentimeter Bier in der Schönlaterngasse ist Schluss. Trotzdem übernehme ich die Rauschauswirkungen des Kollegen auf mich, dessen Alkoholkonsum in Litern angeschrieben wird. Spontanität ist eine schwache Erinnerung und längst vergangene Tage.

Die 8 bringt mich aber auch zum Kinofilm The Hateful Eight und damit zu Quentin Tarantino und dessen neueren Film Once Upon A Time In Hollywood. Demnächst wird in der Zeitschrift Zwischenwelt (Theodor Kramer Gesellschaft) mein ergänzender Essay zu letztgenanntem Film publiziert: „Das Spiel mit den Innuendos – Was bisher nicht über Tarantinos neuntes Filmwerk geschrieben wurde.“ Alles bleibt gewollt avanciert, auf die Acht fokussiert, so wie der Fasching auf die Farben. Per Zufall eine Alliteration das? Von wegen. Gebastelt, geordnet, gebaut, wie so vieles im Leben. Zurechtgezimmerte zurückliegende Zeitzonen. Zahnfeegesellschaften. Zitrönchenbaumwelten.

Das literarische Schreiben als Steuerung, als Täuschung, als Regung und in der Regung, die sich ständig neu transformierende Lust. Die Lust am Unbekannten wie die Lust am Bekannten und den daraus resultierenden Richtungen und Wendungen, die Lust am Manipulativen, die Lust am Überraschenden,  am Provokativen, am gewollt Gewollten  oder einfach nur die Lust am Erzählen per se, monoton und stringent, die Lust am Hoch- und Tiefstapeln, am Gauklertum, hier ist es schon wieder, ein versteckter FASCHING. Das Schreiben als Bastion der Freiheit.

Regina Hilber

Folge uns auffällig.