DIE LAVOIR [di: la’vu:ɐ]

Der Weblog für freien Diskurs

Artena

SommerLAVOIR #ITALIA 03

Geza Gold (Bildrecht GmbH) 2020

Südlich der Ciociaria, auf einem Vorhügel der Monti Lepini, der Lepinischen Berge, türmt sich das alte Artena terrassenförmig auf. Leerstand in den Häusern aus Stein, nur schmale, steile Gassen mit vielen Stufen führen hinauf. Seit jeher für jeglichen Autoverkehr ungeeignet. Nicht einmal das Knattern einer Vespa durchschneidet die gespenstische Stille in den engen Gässchen. Unten breitet sich das neue Artena aus, ergießt sich übergangslos in die Ebene. Die Autobahnanbindung Valmontone mit dem gleichnamigen bekannten Outlet liegt in der Nähe. Wie ein Freilichtmuseum thront das Städtchen mit dem Palazzo Borghese auf dem gänzlich verbauten Hügel.

Wie Norma in den Lepinischen Bergen, war auch Artena eine Stadt der Volkser. Von Norma aus traten wir den Rückweg an, stoßen nun auf Artena. An einer exponierten Kreuzung, kurz vor Colleferro, verursacht der Familienanhang eines frisch vermählten Brautpaars ein kleines Verkehrschaos. Die gesamte Einwohnerschaft des Ortes hat sich versammelt, um dem Schauspiel beizuwohnen. Es wird gehupt, gewinkt, getänzelt, gerufen. Wir lassen uns anstecken von der ausgelassenen Stimmung, warten geduldig, bis die Hochzeitsgäste zumindest partiell die Straße freigeben, blicken den steilen Hügel hoch, auf dem das alte Artena sich terrassenförmig auftürmt. Artena? Wir prüfen die Straßenkarte: kein Stern für Artena verzeichnet, also Stern als Auszeichnung für einen besonders sehenswerten Ort. Lohnt es sich dennoch, die steilen Gassen der Altstadt in der Hitze hinaufzugehen, um uns selbst ein Bild zu machen? Auf jeden Fall!

Regina Hilber

(Erinnerungsprosa als Sommerverlängerung)

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